Erste Nacht im Dachzelt

Meine erste Nacht im Dachzelt war zuerst total aufregend. Um kurz nach Mitternacht – nach der Spätschicht – habe ich meine Sachen bei meiner Freundin abgeholt, und habe mir einen Stellplatz gesucht. Gefunden habe ich einen bei Ottendichl östlich von München vor einem Solarfeld. Dann das erste Mal das Dachzelt hochkurbeln. Ganz einfach. Ganz schnell. Bettbezug und Schlafsack, Schlüssel und Handy ins Zelt legen. Und dann der Versuch, wie Thilo Vogel ohne Leiter nach oben zu klettern. Fail! Das geht bei mir gar nicht, weil das Dachzelt zu weit über den Rand des Autos raus schaut. Also Leiter ausgepackt. Menno, wie geht das Ding bloß auf? Und man sieht ja gar nichts im Finstern! Also Innenbeleuchtung Auto an, Zeichenerklärung auf der Leiter anschauen, klick, klick, Glück – die Leiter geht auf. Autobeleuchtung aus. Leiter angesetzt. Schuhe aus, hochklettern. Nächster Fail! Da sind Strippen mitten im Dachzelt, ich komm nicht rein! Handytaschenlampe an, Strippen untersuchen. Aha, Karabiner zum Öffnen. So, aber jetzt, hinein mit mir in die gute Stube! Yeah, ich bin drin! Erstmal die Kissen ins Netz unterm Dach, brauch ich nicht. Bezug ausbreiten. Menno, der Bezug ist etwas zu klein. Anderen hab ich nicht, muss so gehen. Füße in den Schlafsack stecken. Zudecken. Herzklopfen. Geräusche um mich. Versuche die Geräusche einzuordnen. Aha, Züge in der Ferne. Tröpfeln auf dem Dach. Höre ich nicht Schritte? Ich schaue mich um. Da entdecke ich den Übeltäter. Die Fenster des Dachzelts klappern im Wind gegen das Dachzelt. Ich muss die Reißverschlüsse ein bisschen zu machen, damit es nicht klappert. So, aber jetzt kann ich in Ruhe schlafen…….. Sieben Stunden später wache ich auf, völlig erholt und ausgeschlafen. Blick aus dem Zelt in vier Richtungen ins Grüne. Der Verkehr auf der Straße nimmt zu. Pendlerverkehr. Ich klettere raus, schiebe die Leiter zusammen und lege sie ins Dachzelt. Dann kommt das Zumachen des Dachzelts: Runterkurbeln, Stoff ein bisschen rein drücken, ganz runter kurbeln. Aber weiterer Fail: Die Klammern außen lassen sich nicht schließen. Was habe ich falsch gemacht? Nach prüfenden Blicken und einigem Nachdenken fällt es mir ein: Die 3 Kissen sind im Netz auf der Vorderseite des Dachzelts, wo es niedriger ist. Also nochmal ein bisschen aufkurbeln, Kissen rauspfriemeln und nach hinten schieben, dann wieder runter kurbeln. Die Klammern gehen jetzt zu, juhu! Und dann kommt ein Traktor in die Einfahrt zum Solarfeld und bleibt jäh stehen, als er mich sieht. Ich rufe: Guten Morgen, ich bin gleich weg!, mache die letzte Klammer zu. Der Traktor fährt ein Stück zurück, um mich raus zu lassen, und ich fahre los, rein in meinen letzten Arbeitstag in München, bevor es los geht in die große weite Welt.

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Ein Kommentar

  1. Hört sich spannend an. Ich drücke auf alle Fälle fest die Daumen und wünsche ganz viele tolle Erlebnisse und bereichernde Erfahrungen. Bin ein bisschen neidisch (das gute neidisch 😉).
    Liebe Grüße Ina

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